Jede Szene hat die Dj’s, die sie verdient!

Nun ist es also passiert! Mit Gina-Lisa Lohfink hat der erste C-Promi einen DJ-Award bekommen. Es ist zwar nur in der Kategorie “Selbstvermarktung” und der “German DJ Award” ist auch eher eine fragwürdige Veranstaltung, aber man stellt sich schon als DJ, der seit vielen jahren den Spagat zwischen Crowdpleaser und real Housemusik versucht, die Frage, was an Silikonhupen, Privatpornos und blank ziehen so auszeichnungswürdig ist.
Ich möchte hier gar nicht darüber herziehen, dass die gute Dame ein Hohlladungsgeschoss ist und nichts kann oder ähnliches. Mir stellt sich viel mehr die Frage, warum C-Promis, die in der allgemeinen Medienlandschaft untergangen sind, plötzlich als DJs erfolgreich sein können. Der Versuch von Großraumdiskotheken ohne Flair, sich mit dem Glamour des vermeintlichen Promis aufzuwerten ist ja noch relativ leicht durchschaubar. Aber warum geht da auch noch Publikum hin und zahlt Eintrittspreise, für die sie in renommierten Clubs wirkliche DJ-Stars erleben könnten?
Die Frage lässt mich nur zu einem Schluss kommen: Das Publikum will es nicht anders. Frei nach dem französischen Diplomaten Joseph Marie de Maistre, der 1811 schreib “Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient” kann man heutzutage wohl sagen “Jede Szene hat die DJ’s, die sie verdient”. Allerdings darf man hier nicht nur auf die C-Promis, deren persönliche 15 Minuten Ruhm aufgebraucht sind und die es nach dem Dschungel-Camp halt auch mal als DJ versuchen, einschlagen, sondern auch auf die Szenestars, die mit absolut abgehobenen DJ-Gagen und vorgefertigten Mixsets die Szene ähnlich aushöhlen. Es geht da schon lange nicht mehr um Musik, sondern nur noch darum, wer die größten Stadien fühlt, wer den dicksten Privatjet hat und wer die fetteste Gage abgreift. Dass bei diesen Exzessen natürlich eigentlich nur die Szene auf der Strecke bleibt, weil sich die Clubs die Acts nicht mehr leisten können und mit den Artists, die noch bezahlbar sind, die Locations nicht mehr voll bekommen und früher oder später schließen müssen, wird elegant ausgeblendet.
Ich hoffe, dass die Artists früh genug aus ihrem Traum vom Rockstar-DJ aufwachen, bevor sie die Infrakstruktur der Szene vollends zerstört haben und wir alle vor einem rauchenden Trümmerhaufen stehen und es nur noch Großraumdiskotheken gibt.

Einen Kommentar schreiben