Und das Trauerspiel geht weiter…

Nach dem vor einigen Wochen ja die Sektkorken geknallt sind und alle mit den besten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet sind, sollte sich bei vielen mittlerweile wieder die Ernüchterung eingestellt haben. Bei mir ist es zumindestens so. Nicht weil ich mal wieder alle guten Vorsätze für’s neue Jahr schon in der Silvesternacht über den Haufen geworfen habe, sondern weil der Output der Musikindustrie sich in 2014 nicht wirklich von dem im Jahr 2013 unterscheidet.
Auf der einen Seite haben wir natürlich immer noch die unzähligen, von vielen DJ-Kollegen verteufelten, EDM-Produktionen. Auf der anderen Seite Deephouse, NuDisco, Garage- und UK-House, was von vielen DJs wie eine Monstranz als die “Rettung der Clubkultur” vor sich her getragen wird. In der Mitte zwischen den Extremen “Geballer” und “Gedudel” klafft eine Lücke, in der problemlos der Grand Canyon Platz hätte. Der klassische House und auch der klassische Electrohouse / Bigroomsound finden eigentlich gar nicht mehr statt. Dazu scheint es inzwischen ein regelrechtes Battle zu geben, wer die jeweils andere Seite in Einfaltslosigkeit überbietet. Alle Tracks klingen gleich, Innovation wird gemieden, wie der Teufel das Weihwasser meidet. Als absoluten Höhepunkt haben jetzt ausgerechnet Oliver Pocher & Kontor wohl eher unfreiwillig einen satirischen Beitrag geleistet, in dem sie einem Track mit dem achso schönen Titel “This is EDM” auf den Markt werfen, der einfach nur ein billiger Abklatsch eines anderem EDM-Titel (Martin Garrix – Wizard) ist. Denn das ist wirklich EDM – jeder neue Track ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie! Auf der anderen Seite ist es aber ähnlich bedenklich, wenn plötzlich ein Act der vor wenigen Jahren noch durch die Großraum-Diskotheken der Republik getourt ist, plötzlich dadurch zum Star des Deephouses und des Undergrounds avanciert, in dem er unter Popsongs ein Drumloop legt.

Nicht falsch verstehen, ich habe gar nichts gegen EDM oder Deephouse/Nu-Disco/UK-House/Garage-House. Im Gegenteil, ich mag auch viele Tracks aus den genannten Genres. Aber alles hat sein Platz. Das eine auf großen Festivals, das andere in kleinen Clubs. In großen Clubs funktioniert aber beides auf die Dauer eher schlecht. Zu hartes EDM-Geballer verschreckt die weiblichen Gäste, bei zu slowen Sound ist das Publikum wohlwollend gesagt eher stimmungsneutral.

Mein Wunsch für 2014 sind deshalb Artists und Labels, die mal wieder den Mut haben, neue Wege zu beschreiten und neue Trends zu setzen; DJs, die ihre Sets wieder breiter anlegen und wieder Geschichten erzählen, anstatt stur auf einen Style zu beharren und ein Publikum, dass wieder offen für Experimente ist und nicht nur zu seinen 10 Lieblingssongs feiert. Aber ich befürchte, dass dies alles fromme Wünsche bleiben werden.

3 Reaktionen zu “Und das Trauerspiel geht weiter…”

  1. Floh

    Ohne genau zu wissen was da aktuell in dieser Szene abgeht (und das ist scheinbar auch gut so) stimme ich dir einfach mal zu. Denke das ist kein Genre-spezifisches Problem und lässt sich 1zu1 auf andere übertragen :-/

    Schön geschrieben jedenfalls, “stimmungsneutral” werde ich ab sofort in meinen engeren Wortschatz aufnehmen :-)

  2. Andreas

    Naja, zu erwarten, dass sich der Output schlagartig ändert, nur weil sich ne Jahreszahl geändert hat ist illusorisch. Aber das heißt nicht, dass es nicht auch schon letztes Jahr gute Tracks und innovativen Sound gab. Man muss mittlerweile halt mehr abseits von Beatport suchen und deutlich größeren Aufwand betreiben.
    Dass der Bigroomsound Weg vom Fenster ist liegt aber wohl in aller erster Linie daran, dass man die offiziellen Releases nahezu alle direkt in die Tonne klatschen konnte, daher trauere ich dem kein Stück hinterher…

  3. Frank

    Auch wenn es natürlich nach wie vor eine banale und eindimensionale Aussage ist, kann ich es mir nicht verkneifen, man möge mir verzeihen:

    Willkommen in der Welt des Mainstream oder auch siehe unter “Der breite und der schmale Weg” in der Bibel ;)

    Anders ausgedrückt wars früher eigentlich, so glaube ich, nicht anders. Tausende kratzen sich am Kopf und denken nur: “Was soll da noch neues kommen”? Aber einer unter ihnen hat entweder eine neue Kombi probiert oder sonst irgendeinen Denkunfall im Gehirn gehabt (nicht-lineare Verknüpfung = Kreativität) und es den anderen doch wieder gezeigt. Nur heute kann ja einfach jeder kommen und irgendein Zeug zusammenklatschen, aber wenn Kreativität auf der anderen Seite nicht gefördert wird (wird ja alles vorgekaut, auch Drumloops und Synthie-Presets), dann kommen natürlich nur noch Kopien von Kopien von Kopien dabei heraus.

    Wiederkäuer-Musik halt, hat vielleicht auch was.

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