Die Geschichte wiederholt sich immer wieder…

Nein, dies wird kein Blog über die große Weltpolitik. Heute geht es ganz nüchtern um Musik, Trends, Hypes und Blasen, wobei hier vielleicht doch eine Parallele zu den aktuellen Finanzkrisen besteht… ;-)
Wer in den letzten Monaten mal die Diskussionen um Musik verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein, das neben Ex-Comedian Oliver Pocher und seinen Versuchen mit seinem verblassenden Ruhm noch etwas Geld als DJ abzugreifen, Ex-Pornosternchen & Dschungelkönigin Melanie Müller und ihrem “WM-Song” und Helene Fischer, wohl hauptsächlich 2 Themen die Gemüter erhitzt haben: EDM & Deephouse. Diese beiden Stilrichtungen der Housemusik dominieren seit geraumer Zeit die Dancemusic und die Charts. Diese Diskussionen drehen sich zu allerdings 90% im Kreis. Je nachdem, welcher Seite man angehört, wird dem Anderen Ideenlosigkeit vorgeworfen und der Untergang der kompletten Dancemusic an die Wand gemalt.
Betrachtet man die Situation allerdings mal nüchtern, stellt man schnell fest, dass dies nichts außergewöhnliches ist, sondern eine ganz normale Entwicklung in einem von marktwirtschaftlichen Grundsätzen geleiteten Musikmarkt. Man muss hier einfach mal die romantischen Vorstellungen von Künstlern und Labels, die der Kunst wegen Musik schaffen, Ad acta legen und das Musik- und Nightlife als das sehen was es ist: ein knallhartes Business in dem jeder um sein persönliches Überleben kämpft.
Natürlich wird es immer wieder die Idealisten geben, die Musik aus reiner Liebe zur Musik machen und dann Geschichten, wie die von dem Langzeitstudenten, der mehr aus Zufall ein Charthit produziert und von seinem eigenem Erfolg überrascht wird, schreiben. Allerdings ist das eher die Ausnahme und trägt eigentlich nur zur Mythifizierung bei. Und natürlich sind es meistens diese Idealisten die neue Trends schaffen. Allerdings werden diese meistens von den Opportunisten groß gemacht und die Idealisten bleiben auf der Strecke.
Lässt man nun aber den ganzen Pathos mal beiseite und betrachtet das Ganze mal über einen längeren Zeitraum, sieht man, dass es solche Wellen schon immer gab: Rockmusik, “Synthiepop”, die “Neue Deutsche Welle” in den 80ern, “Eurodance” in den “90ern” oder die Blackmusic-Welle in den späten 90er bzw. zum Anfang des Jahrtausend.
In der elektronischen Musik könnte man die Hypes um “Rave” in den frühen Neunzigern und “Trance” zur Mitte der Neunziger anführen. Oder den Hype um Looptechno (aka Schranz) von der Jahrtausendwende an, der dann vom Hype um “Minimal” zur Mitte des letzten Jahrzehnts abgelöst wurde. Jeder der dieser Trends hat dazu gehörige Events, Festivals und Clubs hervorgebracht, die lange als Vorzeigeobjekte für genau diesen Trend standen. Viele davon haben sich der Zeit angepasst und existieren noch, andere sind stehen geblieben und von der Bildfläche verschwunden. Jetzt ist es, befeuert von dem Hype in den USA halt “EDM” mit den Aushängeschildern “Tomorrowland” und “Ultamusic Festival”, welcher wohl, zumindestens hierzulande, nach und nach von “Deephouse” abgelöst wird. Erkennbar ist dieser Trend auch daran, dass die großen EDM-Labels immer öfters deepen Sound releasen oder Sublabels für diesen gründen. Aber auch diese Blasen werden nicht ewig anhalten und, wie vielfach von Anhänger der jeweiligen Musikrichtung propagiert, die Zukunft der Housemusik sein, sondern die Musik wird im Fluss bleiben und sich stetig verändern.
Betrachten man Musik nämlich einfach mal ganz nüchtern als “Produkt” und “Konsumgut” und legt ökonomische Maßstäbe an das Produkt “Musik” an, stellt man fest, dass sich dieses Produkt regelmäßig verändern muss, um für den Konsumenten interessant zu bleiben. In der Betriebswirtschaftslehre spricht man von den Produktlebenszyklen (nach Raymond Vernon / 1966). Hier wird unterteilt in “Einführung”, “Wachstum”, “Reife”, “Sättigung” und “Degeneration”. Man sollte anmerken, das spätestens zur “Sättigung” ein neues Produkt in der “Wachstumsphase” auf dem Markt sein sollte. Übertragt man diesen, zugegeben etwas theoretischen, Exkurs in die Mikroökonomie auf die aktuelle Situation sieht man wie das Business funktioniert. Da Musik aber ein stark mit Emotionen behaftetes Konsumgut ist und Markt sehr oft von verschiedenen “Meinungsmachern” stark beeinflusst wird, wird es immer wieder zu Hypes um den “neusten Trend” kommen, die nach einer gewissen Zeit wieder abklingen.
Die Houseszene wird sich, wie nach jeder Blase bisher, wieder gesundschrumpfen und früher oder später “the next big thing” hervorbringen. Produzenten, Clubs und DJs, die das rechtzeitig erkennen werden auf dem Markt bleiben, andere hingegen werden verschwinden und von neuen Gesichtern ersetzt. Wann das passiert und was dann kommen wird, wird die Zeit zeigen.
Das gilt übrigens für die komplette Popmusik. Was nach dem Dancemusikhype der letzten Jahre kommt, ist im Moment noch nicht abzusehen, aber früher oder später wird auch die aktuelle Dancemusik sich wieder aus den Charts verabschieden und von etwas neuen ersetzt. Ob das nun Black, Rock oder Helene Fischer-Klone mit Schlager sein werden, wird auch hier die Zukunft zeigen…

Eine Reaktion zu “Die Geschichte wiederholt sich immer wieder…”

  1. Leonardo Aquino

    Super Artikel :) sollte jeder lesen der im dem business langfristig spass haben will :)

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